CDU im Emsland

Neue Wege für den Vertrieb alter Tonträger

Von Tom Bullmann
Osnabrück.
Es gibt sie noch, Zeitgenossen, die ihre Lieblingsmusik nicht aus dem Netz ziehen, die ihre Lieder nicht nur per Computer oder MP3-Player abrufen wollen und die ihren Tonträger nicht erst „zusammenbasteln“ wollen, bevor sie ihn in den CD-Player legen. Weil es von diesen „altmodischen“ Musikfreunden offenbar genug gibt, hat CD-Versandhändler jpc in Georgs marien hütte einen Service entwickelt: CD on Demand. Unter www.indiewerk.de können Kunden sich eine CD bestellen, die im normalen Handel nicht mehr oder prinzipiell nicht verfügbar ist.

 

Nehmen wir ein Beispiel: Die Osnabrücker Band Ombre Di Luci wird nach Konzerten immer mal wieder gefragt, ob es noch Exemplare von ihrem ersten Album „Origine“ zu kaufen gibt. Da es sich für die Band nicht lohnt, von der vergriffenen CD eine neue Auflage (in der Regel mindestens 300 Stück) drucken zu lassen, bietet sie das Album jetzt über indiewerk an. Das Verfahren ist einfach: jpc erhält von der Band die nötigen Musikdateien und Druckvorlagen für das Booklet, diese werden archiviert und im Fall einer Bestellung an ein CD-Presswerk gesandt, mit dem jpc einen Kooperationsvertrag geschlossen hat. Dort wird die CD wie das Original gepresst und kann nach circa einer Woche an den Kunden ausgeliefert werden.

„Das Ganze passiert ohne finanzielle Vorleistung und Risiko“, sagt Karl Snelting, der Drummer von Ombre Di Luci. Insofern ist das Angebot auch für jeden Musiker ohne Plattenvertrag interessant, der ein neues Album auf den Markt bringen will. „Als unabhängiger Künstler muss man bei einem Presswerk eine Mindeststückzahl bestellen, außerdem muss man die gesamten GEMA-Gebühren für die Auflage sofort bezahlen. Das geht über die finanziellen Möglichkeiten vieler Musiker hinaus“, so Snelting.

Kein Wunder also, dass das Angebot nicht nur bei potenziellen Konsumenten, sondern auch bei Kreativen auf positive Resonanz trifft. „Es gibt schon Anfragen von Schülerbands, von Chören und Solokünstlern, die von unserem Service gehört haben“, bestätigt jpc-Marketingchef Lothar Bökamp, der das „indiewerk“-Konzept entwickelt hat. Nachdem ein Vertragswerk entworfen worden war, das wegen der Regelung der Lizenzen und Urheberrechte relativ umfangreich ausfiel, kann er jetzt mit dem Angebot an die Öffentlichkeit gehen. „Nach Ombre Di Luci haben wir jetzt auch den Kirchenmusiker Erwin Horn aus Rheine im Programm, der über das indiewerk seine Fantasie in C-Dur nach Themen von Anton Bruckner anbietet“, so Bökamp. Er weiß, dass der überwiegende Teil der jpc-Kundschaft eine „richtige CD“ im Briefkasten finden will: „In Zeiten des Downloads wachsen wir in einem schrumpfenden Markt!“

Während das „CD on Demand“-Konzept in dieser Form in Deutschland einmalig zu sein scheint, gibt es ähnliche Angebote in den USA offenbar schon länger. „Wir haben über eine US-Homepage schon Original-CDs von Ombre Di Luci nach Amerika und Australien verkauft“, bestätigt Snelting.