Viele Betriebe zahlen mehr Weihnachtsgeld
Der Aufschwung kommt nun auch bei vielen Arbeitnehmern an: Sie können sich über eine kräftige Erhöhung beim Weihnachtsgeld freuen. Doch nicht alle kommen in den Genuss eines 13. Gehalts. Der Bonus ist grundsätzlich eine freiwillige Leistung.
Das starke Wirtschaftswachstum in diesem Jahr schlägt sich in manchen Branchen in einer kräftigen Erhöhung des Weihnachtsgeldes nieder. Wie die in Essen erscheinende Neue Ruhr/Rhein Zeitung berichtete, erhalten laut einer Analyse der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung die Beschäftigten in der Stahlindustrie eine im Vergleich zu 2009 um 5,7 Prozent höhere Überweisung ihres 13. Monatsgehalts - rund 130 Euro mehr.
Im Versicherungsgewerbe und in der Textilindustrie sind dem Blatt zufolge Zuwächse von 2,5 beziehungsweise 3,7 Prozent zu erwarten. In 7 von 23 untersuchten Tarifsparten sind die Nachwehen der Krise beim Weihnachtsgeld hingegen noch zu spüren. Die Jahressonderzahlungen stagnierten, weil die Tarifabschlüsse in der Krisenzeit erfolgten, sagte der Böckler-Tarifexperte Reinhard Bispinck der Zeitung.
Wer ein Recht auf die Sonderzahlung hat
Obwohl das meist im November überwiesene Weihnachtsgeld eine grundsätzlich freiwillige Leistung der Arbeitgeber ist, können auch nicht tariflich Beschäftigte einen arbeitsgerichtlich einklagbaren An spruch darauf haben. Und zwar, wenn, wie Nohr erläutert, einer von drei Fällen zutrifft. Erstens: Ein 13. Monatsgehalt ist im Arbeitsvertrag fest verankert. Zweitens: Weihnachtsgeld muss im Sinne der «betrieblichen Übung» gezahlt werden, nämlich, weil der Chef die Sondervergütung in den drei Jahren zuvor vorbehaltlos in gleicher Höhe zum gleichen Termin überwiesen hat. Oder drittens: Es gibt eine sogenannte Gesamtzusage von den Personalverantwortlichen, ein 13. Entgelt gewähren zu wollen.
Vor allem Beschäftigte in Unternehmen mit Tarfivertrag können sich über die Zusatzzahlung freuen. Nach Angaben der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung wurden in keinem einzigen Branchentarifvertrag Weihnachtsgeldkürzungen vorgenommen. Die Crux dabei: Nur rund 62 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland fallen in den Geltungsbereich eines Tarifvertrags. Wiederum 90 Prozent dieser tariflichen Verträge, so der Analyst, schrieben ein 13. Gehalt fest.
Diese Branchen zahlen am meisten Weihnachtsgeld
Überhaupt nicht beschweren dürfen sich in diesem Jahr die Stahlarbeiter. Weil sie 2010 gleich zwei Gehaltserhöhungen erhielten - im Januar um zwei und im Oktober nochmal um 3,6 Prozent - wird auch ihr Weihnachtsgeld um 5,7 Prozent höher ausfallen als 2009. Thyssen-Krupp beispielsweise zahlt seinen Mitarbeitern bis zu 110 Prozent des durchschnittlichen Monatslohns als 13. Gehalt.
Der Chemiezweig ist laut Böckler-Stiftung einer von sieben Tarifbereichen, in denen die Höhe des Weihnachtsgeldes in diesem Jahr stagniert. Der Grund: Die Branche hatte ihre Tarifverträge inmitten der Krise ohne prozentuale Aufschläge auf den Monatslohn abgeschlossen. Der Essener Evonik-Konzern etwa überweist seinen 25.000 Mitarbeitern dieses Jahr Weihnachtsgeld in Höhe von 50 bis 100 Prozent - je nach Geschäftsbereich.
Im Einzelhandel ist eine Jahressonderzahlung von 62,5 Prozent des Monatsgehalts festgesetzt. Die Beschäftigten des insolventen Kaufhausriesen Karstadt verzichten dieses Jahr jedoch darauf - im Austausch für eine Arbeitsplatzgarantie bis August 2012.
Die Beschäftigten der Energieriesen RWE und Eon sind im Rahmen jeweils hauseigener Tarifverträge angestellt, die ein 13. Monatsgehalt von 100 Prozent vorsehen.
Einen identischen Satz bekommen einem Bericht der WAZ-Mediengruppe zufolge die Angestellten der Deutschen Bahn. Weniger spendabel zeigen sich die Firmen im privaten Transport- und Verkehrsgewerbe: Mit 30 bis 40 Prozent liegen die Zahlungen unter dem Durchschnitt der branchenübergreifend üblichen Sätze.
Gänzlich ohne vorgezogene Bescherung auskommen müssen zum wiederholten Male die Gebäudereiniger. Ihr Tarifvertrag sieht kein Weihnachtsgeld vor - dabei könnten gerade sie es gut gebrauchen.