Aus gesundheitlichen Gründen konnte Remmers am Sonntag nicht an der Jahrestagung der LudwigWindthorst-Stiftung in der Aula des Ludwig-Windthorst-Hauses teilnehmen. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können, als der nach dem Bundespräsidenten zweithöchste Repräsentant Deutschlands vor 230 Gästen über das Thema „Vor 20 Jahren, in 20 Jahren – Das vereinte Deutschland im 21. Jahrhundert“ sprach.
Die Deutschen hätten eine besondere Begabung darin, Ereignisse wie die Wiedervereinigung, die historisch ohne Beispiel sei, rückblickend als normal anzusehen. Viele seien sich der historischen Dimension nicht bewusst. „Glücklichere Verhältnisse als jetzt haben die Deutschen aber noch nie in ihrer 1000-jährigen Geschichte gehabt.“ Der 62-Jährige machte deutlich, dass historische Umwälzungen wie die Deutsche Einheit und die Europäische Einigung immer eine lange Vorlaufzeit hätten. „Genauso wie die Reformation nicht mit dem Anschlag von Luthers Thesen am 31. Oktober 1517 vor der Tür der Schlosskirche Wittenberg begann, sondern das Ergebnis einer Entwicklung war, so verhält es sich mit der Deutschen Einheit.“ Obwohl die Aufstände am 17. Juni 1953 in der DDR und in Ungarn 1956, der Prager Frühling 1968 und die Verhängung des Kriegsrechts 1980 in Polen offenkundige Niederlagen für das Streben nach Freiheit gewesen seien, hätten sie doch gezeigt, dass die Menschen niemals einen „unnormalen Zustand akzeptieren wollen“.
Jetzt hätten wir in Deutschland „normale demokratische Verhältnisse“. Und diese verleiteten die Bürger zur Trägheit. Es sei besorgniserregend, dass immer weniger Menschen bereit seien, sich langfristig politisch und gesellschaftlich zu engagieren.
Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels forderte er den Bundestag auf, endlich die notwendigen Entscheidungen zu treffen, auch wenn sie für die Wähler unangenehm seien.
Im Übrigen betonte der Redner die besondere Verantwortung Deutschlands in Europa. Der Kontinent habe eine gemeinsame kulturelle Geschichte. Europa sei deshalb eine großartige Idee.
MdB Dr. Hermann Kues, Vorsitzender der Stiftung, dankte Lammert für dessen „brillanten“ Vortrag. Die von Dr. Remmers ins Leben gerufene Stiftung verfolgt u.a. das Ziel, junge Menschen zu fördern, die sich besonders engagieren.